PSYCHOTHERAPIE  •  BERATUNG  •  PERSÖNLICHKEITSENTWICKLUNG

Frauenspezifische Psychotherapie

Was ist eine frauenspezifische Psychotherapie?

Die frauenspezifische Psychotherapie ist ein Zugang zu Therapie, der mich am Beginn meiner Arbeit als Therapeutin besonders interessiert hat. In der Frauenberatungsstelle Fem steigerte sich dieses Interesse noch und wurde bis jetzt ein wesentlicher Schwerpunkt meiner beruflichen Tätigkeit.

Die frauenspezifische Psychotherapie entwickelte sich ab 1970 in Amerika und stand vorerst in Verbindung mit der aufkommenden Frauenbewegung und der laut werdenden Kritik an gängigen Therapieformen für Frauen.

Sie ist keine eigene Methode, sondern eine Grundhaltung in der therapeutischen Arbeit:
Sie stellt besonders die gesellschaftlichen, kulturellen, finanziellen, biologischen etc. Lebensbedingungen von Frauen in der heutigen Zeit in den Mittelpunkt, denkt aber auch historisch gewachsene Komponenten mit.

Ich merke in meiner Praxis immer wieder, dass sich Frauen mit Themen allein gelassen fühlen, weil es „angeblich“ gar keine Themen mehr sind in der heutigen Zeit. Sie bekommen den Eindruck, dass MIT IHNEN etwas nicht stimmt, sie dem Leben nicht – zu wenig – gewachsen sind, sie ihre Probleme und Krisen nicht bewältigen können.

Meine Aufgabe als frauenspezifische Therapeutin ist es, die gesellschaftliche Dimension immer mitzudenken und die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und Gegebenheiten herzustellen und auch zu benennen.

Hier einige wichtige Themenbereiche der frauenspezifischen Therapie:

Frauenwelt – Männerwelt

Hier richtet sich der Blick zum Beispiel auf die vorhandene Aufspaltung zwischen Frauenwelt und Männerwelt, Familienwelt und Berufswelt.
Wir alle kennen die Situation von berufstätigen Müttern. Noch immer ist es hauptsächlich ihnen vorbehalten, berufliche Ambitionen, Kinderbetreuung, Betreuung der Elterngeneration etc. zu vereinen. Eine Überlastung ist für viele Frauen selbstverständliche Lebensrealität, die der Änderung bedarf, und das auf der persönlichen wie auf der gesellschaftlichen Ebene.

Des Weiteren ist es zum Beispiel hinreichend bekannt, dass Frauen auch heute noch weniger verdienen (als Männer, die dasselbe machen). Noch gilt in weiten Bereichen der Spruch: Armut ist weiblich.
Körper/Aussehen/Sexualität

Für die frauenspezifische Therapie ist der weibliche Körper und der – auch autoaggressive – Zugang von Frauen zu ihrem Körper wesentlich.

Frauen sind einem enormen gesellschaftlichen Druck ausgesetzt, schlank und noch schlanker zu sein, attraktiv und jugendlich. Kaum eine Frau ist mit ihrem Körper rundherum zufrieden. Die Abwertung des eigenen Körpers geht weit in die eigene Identität, und das über die gesamte Lebensspanne. Essstörungen sind eine logische Konsequenz, Schönheitsoperationen werden immer selbstverständlicher, und das um zu gefallen, um gesehen zu werden, um sich wertvoll zu fühlen. Hier braucht es die Erarbeitung von individuellen, entlastenden, selbstakzeptierenden Zugängen.

Für die frauenspezifische Therapie ist die weibliche Sexualität wesentlich. Sie beleuchtet sowohl das sexuelle Wohl – und Lustempfinden wie auch sexuelle Probleme. Und sie unterstützt eine intensive gesellschaftliche Auseinandersetzung mit sexueller Gewalt an Frauen und Kindern.
Lebens- und Liebesformen

Die frauenspezifische Psychotherapie hat sich eine tolerante Betrachtung von vielfältigen Lebens- und Liebesformen erarbeitet.

Es ist noch immer nicht selbstverständlich, mit einer gleichgeschlechtlichen Partnerin zu leben und auch eine Familie zu gründen. In meiner Praxis höre ich immer wieder, mit welchen Problemen lesbische Frauen und lesbische Beziehungen zu kämpfen haben und welche psychischen Auswirkungen das auf die einzelne Frau hat.

Ich könnte an dieser Stelle noch viele Beispiele anführen, wo Frauen unter psychischen Auswirkungen von gesellschaftlichen Gegebenheiten leiden. Es ist wichtig – mir ist das wichtig – diese in die therapeutische Arbeit zu integrieren und die Integrative Therapie ist eine geeignete Therapieform dafür.


Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, das mich immer wieder hinunter zog, weg von mir selbst.

Anfangs nannte ich das “gesunden” Egoismus, heute nenne ich es Selbstliebe.

(Charlie Chaplin)
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